Die Saison 2016. Ein Rückblick.

Und schon wieder ist eine Saison vorbei! Mir war, als wären wir gerade erst in Oscherleben zusammen gekommen und hätten uns erstmals in diesem Jahr gemessen. Die Spitze fuhr so früh im Jahr schon unter 1:40 min, die Saison würde es wohl in sich haben. Übrigens: Es war zwar frisch, aber hat nicht einmal geregnet!

Dann aber stand tatsächlich schon Most an. Durch den besonderen Terminplan mit Auftakt am Freitag war das Feld etwas ausgedünnt und das erste Rennen fand im tschechischen Regen statt. Einige hat es erwischt, selbst Regengott Ritter musste ins Gras… liegen. Gewonnen hat die Läufe natürlich wie fast immer René, wobei sich schon da Nick Wiedemann als härtester Widersacher etablierte. Uwe Volmari haderte da wohl noch mit den Bedingungen. Jedenfalls war mit seiner Performance und der seiner SV über die Saison so noch nicht zu rechnen. Thomas Ukley als Gaststarter machte mit einem sensationellen zweiten Platz auf sich aufmerksam, auch wenn ihm das Kunststück trotz sensationellem „Save“ auf Start-Ziel im zweiten trockenen Rennen dann nicht mehr ganz gelang.


Schleiz kam als nächstes – immer ein besonderes Event. Aber leider auch wie in den beiden Jahren davor nicht sehr Wetter-stabil. „Regenreifen oder nicht?“, „Hält es nun oder schifft es gleich?“… der sorgenvolle Blick in den mächtig bewölkten Himmel zelebrierten wir alle zur Genüge. Die Belgier waren auch dabei – wir haben ihnen ein paar Sekunden eingeschenkt, tolle Rennen abgeliefert und damit schon das dritte Rennwochenende absolviert. Der Dreikampf Raub, Weidemann und Volmari nahm Gestalt an, Seitz haderte erstmals mit der Kawasaki – in Schleiz kommt der Reihentwin nicht aus den Ecken, und Marlon Braune lässt es dort eben ordentlich fliegen.


Damit standen wir schon fast Mitten in der Saison und entsprechend im benachbarten Belgien. Hier gilt entweder fahrerisches Supertalent oder Volldampf im Brennraum. Das erste bringt Rene mit seiner Serien-Gladius, das andere paarten Jungs wie Niklas Pfeiffer oder Christian Kemper mit ihrem eigenen Können. Auch Steve Lippert zeigte seinen Ehrgeiz und Speed, hing in der Spitzengruppe, aber war vielleicht dann doch den Hauch übermotiviert und stürzte an aussichtsreicher Position. Cedric Deppe lieferte für mich dort eines seiner besten Rennen ab – großartige Lernkurve von dem jungen Mann. Kaum nötig zu erwähnen regnete es in Zolder und leider mussten wir erwartungsgemäß das Nationen-Battle dort an die Belgier abgeben. Da tröstete der etwas billige Topless-Service mit schlechten Fritten im Renn-Restaurant auch nicht darüber hinweg.


Das nächste Rennevent bedeutete dann eine Premiere: GTT auf dem Sachsenring. Ich kann nicht verhehlen, dass ich diese Strecke mag. Hier zählt die richtige Linie und gutes Handling mit viel Gefühl fürs Vorderrad deutlich mehr als satte, homogene Leistung aus dem Drehzahlkeller, wodurch die Kawa endlich die Chance hatte zu zeigen, dass sie das Zeug für Podestplätze hat. René und ich – das sage ich mit echtem Stolz – fuhren von Anfang an vorneweg – nachdem sich jeder in dem Fahrerlager-Tetris ein Plätzchen für die Nacht und das Bike ergattert hatte. Im ersten Rennen das gleiche Bild. Raub und Seitz machten den Sieg unter sich aus – mit dem üblichen Ausgang. Rene macht einfach keine Fehler! Im zweiten Rennen dann, welch ein Wunder, regnete es. Leider reagierten die Streckenverantwortlichen erst sehr spät auf die Signale des Führungstrios Raub, Weidemann und Seitz, das Rennen mit den Slicks besser schnell abzubrechen. Ein leittragender dieser Unentschlossenheit war Gordon Hensel. In der Sachsenkurve musste er zu Boden, verletzte sich etwas, aber verbog vor allem seine Mühle so, dass der Sachsenring auch das Saisonende für Gordon bedeutete. Übrigens auch für Wolfgang „der gelbe Blitz“ Pohler, den Uwe Volmari im Training schon hinter der Kartbahn unsanft ins Aus schickte. That’s Racing!


Dijon war 2015 nicht im Kalender, obwohl alle Fahrer, die 2014 hier erstmals antraten, von der Strecke in Frankreich restlos begeistert waren. 2016 aber folgten wieder einige dem Ruf der DRC-Ausrichter Bike Promotion in die Senf-Hochburg. Wegen der langen Anreise für viele GTT-ler nahmen viele jedoch dieses Event als Streichergebnis der insgesamt acht Renn-Wochenenden. Kein Senf waren die Rennen. Die technisch anspruchsvolle und schnelle Strecke verlangte den Fahrern alles ab. Das übliche Trio aus Raub, Weidemann und Volmari gab das Tempo vor und trotz etwas unbeständigem Wetter blieben unsere Rennen von Regen diesmal verschont. Stürze gab es trotzdem einige. Steve Lippert war wieder stark dabei, aber verlor abermals das Vorderrad beim Versuch, den dreien an der Spitze in die Suppe zu spucken. Martin Völler hat es auch erwischt. Er machte gar einen Salto vorwärts in die erste Senke hinein und platzierte sein „Blaues Wunder“ so geschickt mitten auf der Strecke, dass das Rennen 2 kurz vor Schluss abgebrochen wurde. Dadurch kam die Taktik einiger Fahrer völlig unter die Räder, denn die meisten hatten auf den Windschatten des Konkurrenten für die letzte Runde gehofft, um auf der elend langen Start-Ziel-Geraden dann genau richtig vor der Ziellinie die Nase vorn zu haben. Rene hatte auch so einen Plan – und konnte durch die Wertung der vorletzten Runde vor Abbruch, in der Uwe Volmari die Nase vorn hatte, seine makellose Bilanz von 16 Rennen und 16 Siegen leider nicht in die Tat umsetzen. Leider war mit dem Stunt von Martin auch dessen Saison beendet und Steves SV war ebenfalls so demoliert, dass er nicht mehr antreten konnte.


Fast auf der Zielgeraden führte das vorletzte Rennwochenende in meine badische Heimat, wenn auch nach Nordbaden. Hockenheim sollte ein riesen Event für das Michalewski Racing Team werden, denn Rene griff neben seiner Gladius mit der 61 auch in der GSX-R 750 Challenge an und ich schlug mich mit Kai-Uwe Lenz in der Gladius-Trophy um die Gesichtsbehaarung. Die Kawa war gar nicht dabei, sondern stand in Lüchow im Trockendock – Öl am Krümmer machte mir nach Dijon etwas Sorgen. Trotz Doppelbelastung gab Rene den Ton an. Lokalmatador Niklas Pfeiffer mit seiner Brutalo-ER6 war ebenfalls gut dabei und die Belgier waren auch nach Hockenheim gekommen. Während es in der ersten Nacht noch aus Strömen goss, zeigte sich das Wetter meist nach dem Werbeslogan der badischen Weinbauern, wonach die Trauben „von der Sonne verwöhnt“ werden. Zu Diskussionen gab es nach Rennen 1 Anlass, denn weder Nick noch ich waren mit den Überholmanövern im speziellen von Joel Smölders einverstanden. Er nutzte die Kraft seiner getunten Kawa so aus, dass er vor dem Bremspunkt vorbei zog, sich dann vor uns setzte und aberwitzig früh für uns Hockenheim-erfahrene gebremst hat, wodurch er uns nicht nur ab und zu gefährdete, sondern uns Stock-Fahrern das Rennen ordentlich versaute, weil uns damit der Speed in die Kurven fehlte. Ich muss aber auch zugeben, dass mein Herz an diesem Wochenende dem Duell in der Gladius-Trophy galt und ich mich riesig gefreut habe, wie mich die GTT-Jungs alle angefeuert und in der Sachskurve gefeiert haben! Ein klares Zeichen dafür, wie cool der ganze Haufen ist und wie wir für die GTT zusammenhalten. Das gilt auch für die besorgten Anfragen von Euch allen, als Frank wohl wegen der permanenten Hektik von insgesamt 8 Rennen des Teams und der Hockenheim-Schwüle zu Boden ging und kurzzeitig ins Krankenhaus kam. Nochmals Danke an Euch alle für die Kameradschaft! Wer die Rennen gewonnen hat und damit vorzeitig Meister wurde, müsste ich eigentlich nicht erwähnen, aber René hat das einfach wieder sensationell gemacht! Wir haben die Belgier außerdem gepackt und die Nationenwertung zum zweiten Mal eingefahren!


Tja, und schon sind wir am Schluss der Saison. Der Endpunkt war auch der Ausgangspunkt, Oschersleben in der Börde. Ein nasses Ding und damit das logische Finale einer verregneten Saison. Wer bis dahin alles heil gelassen hatte, bekam jetzt die Gelegenheit, die Mühle nochmal fett zu verbiegen. Thomas Ukley, in Most noch Regengott, fing gleich damit an. Vermied es aber durch Besonnenheit und Reaktionsschnelligkeit, ein paar der anderen vor dem Shell-S gleich mit abzuräumen. Ihm folgte Cedric Deppe Ende Start-Ziel, bevor sich Marlon mit seinem „Red Hustenbonbon“ ebenfalls vor dem Shell-S lang machte und mit Thomas von außen staunte, was Markus Jungebluth in Oschersleben abzog. Der gute Markus zeigte im Dauerpiss ein engagiertes Rennen und kam verdient ganz weit nach vorn – so weit, dass er sich gar den Meistertitel der Open souverän krallte. Meine just wieder zurückgekehrte Kawa streikte augenblicklich im Börderegen und beschloss, mit einem Zylinder gegen Saisonende zu keuchen. Da Marlon den Kiesbettbohrer gab und die ER mit einem Zylinder tatsächlich die Zielflagge sah, gab es für Rennen zwei keine Rangwechsel-Chance mehr. Saison für mich gelaufen, denn auch der urlaubende Uwe Volmari und der hartnäckig mit René kämpfende Nick waren für mich nicht mehr zu erreichen. Grandios fuhr Frank Leurs in Oschersleben. Mit seinem weinroten Hobel fuhr er erst in die Top-5 und schickte sich dann in Rennen 2 sogar an, das Podest zu erklimmen und Open-Dritter zu werden. Nur die fetten und im Regen für Bikes echt gefährlichen Auto-Startmarkierungen machten Franks Triumph zunichte. Björn „More Colours than Style“ Ritter eroberte so den Stockerlplatz hinter Rene und Nick. Unaufhaltsam für alle Open-Fahrer war der letzte Cowboy aus Gütersloh Christian Otto an diesem Wochenende.


Die Meisterfeier war dann ein echtes Highlight – Haxen, Grillhähnchen und Bier von Grill-Gott Stefan Steinbruckner und BiPro plätteten je nach Volumenverteilung die GTT-Fahrer und Angehörige…ein schönes Fest nach einer schönen Saison.


Und so endet mein Bericht, der eigentlich ein großes Dankeschön an alle sein soll, die die GTT dieses Jahr möglich gemacht und für die tolle Stimmung im Fahrerlager gesorgt haben. Racing ist nicht nur Ellenbogen und Ego-Shooting! Auf der Piste waren alle voll dabei, drehten ordentlich am Quirl und ließen keine Chance ungenutzt – aber es ging fair zu und im Fahrerlager hatten wir immer viel Spaß – alle miteinander. So soll es bleiben. Auch wenn René, Frank und ich 2017 nicht mehr in der GTT starten werden – es waren wunderbare drei Jahre! Euch allen alles Gute und „haut wieder rein“ 2017.

Euer Kawa-Mann mit der #7

p.s. wen ich in diesem Bericht nicht namentlich erwähnt habe, möge mir bitte nicht böse sein, es steht keine Absicht dahinter, sondern ist vielmehr einer extrem komplexen Saison geschuldet…. 16 Rennen – die haben se nich mehr alle 😉

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