The first Showdown

Die Zeit war reif, vorbei war nun alles Taktieren und Schluss war mit dem rasseln der Säbel.

Jetzt sollte sich zeigen wie fit Mensch und Maschine im ersten Aufeinandertreffen in der Börde waren, um ihre ersten beiden Saisonläufe auszutragen.

Fast alle waren angetreten mit ihren fein rausgeputzten 650 Kubik 2 Zylindern überwiegend aus dem Hause Suzuki und natürlich auch aus dem Hause Kawasaki. Nebenbei bemerkt trage ich immer noch meine tief grüne Seele in mir, die sich natürlich auch in meiner SV voll und ganz wiederspiegelt.

Jedes Stahlross, welches aus dem Anhänger oder dem Bulli freigelassen wurde, musste sich den kritischen Blicken der Mitstreiter stellen.

Es wurde getuschelt, Köpfe wurden zusammen gesteckt und es wurde gemutmaßt.

Wer hat aufgerüstet, welche neuen Komponenten wurden verbaut und welche technischen Finessen hat sich der ein oder andere einfallen lassen.

Die skurrilste Idee war jedoch ein rosa farbender Flamingo, welcher wohl die neugierigen Blicke der Spione auf sich und von dem Gefährt des Eigentümers ablenken sollte. Man versuchte aber auch alles um sein Geheimnis zu wahren und nichts preisgeben zu müssen.

Nachdem alle genug gesehen hatten, oder vielleicht auch nicht, gesellte man sich gemütlich am Grill zusammen. Die neuen Mitstreiter wurden vorgestellt und die Sponsorenpakete ausgegeben.

Auch neu im Bunde des MTR war der neue Skydancer. Ein 4 Meter großer, blauer, beleuchteter Luftmann , der sich rhythmisch zu den Klängen der Musik zu bewegen schien und dabei von hoch oben auf uns herab grinste.

Im fehlt nur noch ein passender Name.

Die Zeit verging wie im Flug und rasch kehrte Ruhe im Fahrerlager ein, standen doch am frühen Morgen 2 Dauerprüfungen und anschließend, ganz neu in dieser Saison, 2 Sprintrennen an.

Wir beschlossen den Wecker auf 8.00 Uhr zu stellen. Das sollte reichen. Die Heizdecken kohlten bereits ordentlich, man ist ja nicht mehr der Jüngste und möchte sich nicht die Blase erkälten, als ich mich in Wohni zurückzog.

Also rein in Warme Falle, die Hände auf die Decke und Augen zu.

Am frühen nächsten Morgen, klappern, rappeln und mächtig gewerkel. Ich dachte schon ich hätte verpennt. Plötzlich Musik dazu, aber nicht eine die dich morgens aus der Heiakoje küßt, nein nein:

RAMMSTEIN!! Ein verschlafener Blick zum Handy verriet mir die Zeit. 7.00 Uhr

Hooooooooooooolger du brennst doch!!!!!

Es bedurfte einiger Tassen Kaffee um die Spuren der Nacht aus dem Gesicht zu bekommen. Dazu ein halbes Brötchen, Gewichtsoptimierung halt.

Dann kam mein Geheimplan zum Einsatz. Die spezial Reifenwärmer. Vorne ein ganz Normaler und hinten ebenfalls einer von vorne. Dieser saß wie eine 2-te Haut. Die Wärme konnte also voll in den Reifen auch in die Felge übergehen. Das versprach unendlich Gripp von der ersten Sekunde an und sollte mir den entscheidenden Vorteil bringen.

Das war ein echter Insider, der bei genügender Überzeugungsarbeit vielleicht wirklich funktionieren könnte.

Der wahre Grund war jedoch ein anderer. Mir gingen nacheinander von beiden Sätzen der Wärmer beide hintere kaputt und so musste ich kurzerhand improvisieren.

Die beiden Dauerprüfungen am Vormittag gingen ohne Nennenswerte Vorkommnisse über die Bühne. Bleibt vielleicht nur zu erwähnen, dass der Ausbau der Heckhöherlegung am Abend keine tolle Idee war. Die Sitzposition für den Dokki war jetzt vielleicht noch viel schöner als sonst, doch der Sitz der Verkleidung war eindeutig zu tief und der fiese OSL Asphalt machte sich in jeder Rechtskurve mächtig daran zu schaffen.

Am frühen Nachmittag stand nun der erste große Showdown der Klasse 4 an. Mit 34 Fahrern, davon alleine 25 aus den Reihen des MTR, stellte sie das größte Teilnehmerfeld.

Die Startplätze wurden nach den Platzierungen des letztens Jahres vergeben und ich fand mich in Reiher 7 wieder. Startplatz 25. Na toll! Ich wollte und musste am Start schon so viele Plätze wie möglich gut machen, wollte ich weiter nach vorne kommen.

Ich musste also mein Startpussy-Dasein ein für alle Mal ablegen und dagegenhalten. Augen zu und durch, ok, besser Augen auf und durch.

Die Ampel ging an und ich spannte den Gashahn, den Blick wie versteinert auf das Rotlicht gerichtet.

Ampel aus, die Kupplung fliegt, die Race Attack verbeißen sich wie Bolle im Teer und die SV geht volles Rohr nach vorne. Eine riesige Meute fliegt unter lautem Getöse die Gerade herunter, schnurstracks auf die erste Kurve zu.

Ich lasse das Gas diesmal wirklich so lange stehen bis der Kupferbolzen schon fast aus der Buchse schaut. Hey man das geht ja, Plätze beim Start gewonnen.

Die Pussy ist tod, es lebe der Dokki.

Alle kommen gut durch die ersten Kurven und das Feld sortiert sich schnell.

Ich sortiere mich hinter Marco #477 und Marlon #412 ein. Es vergingen einige Runde in denen nicht viel passierte. Dann aber nutze das Fliegengewicht Jens #486 seinen Gewichtsvorteil eiskalt aus und ließ mir auf der Gegengerade keine Chance.

Es entwickelte sich ein Dreikampf zwischen Marlon, der vor uns war, Jens und mir.

Jeder lauerte auf einen Fehler des anderen, oder auf die passende Gelegenheit um einen Platz gut zu machen. Ende der Start Ziel ging Jens schließlich an Marlon vorbei. Einige Runden später konnte auch ich Marlon aus dem Windschatten heraus überholen. Jetzt hieß es fahren, als säße einem der Gevatter im Nacken, denn kampflos wird sich Marlon bestimmt nicht ergeben.

Stalker Christian #425, Platz 4 vor den Augen, trieb seine SV im forschen Galopp in Richtung Hasseröder und musste seine harte Gangart mit einem Ausfallschritt der Heckpartie teuer bezahlen und ging zu Boden.

Später stellte sich heraus, das ein Öl Verlust welcher sich auf dem Geläuf des Hinterrades breit machte ihn zur Bodenprobe zwang.

Herby Haitch erkannte einige Runden später das schwarze Gold aus dem Inneren der Ottoschen SV zu spät und suchte sich auch einen Platz im Bett der 28-er Körnung in der Hasseröder.

Ohne weitere Abwürfe ging das Rennen zu Ende und ich kam auf Platz 13 ins Ziel.

Chris und Herby hatten zum Glück nichts abgekommen und machten sich sogleich an die Reparatur der SV´s um im 2-ten Lauf wieder dabei zu sein.

Lauf 2 fand um 17.00 Uhr statt. Die Startposition ergab sich diesmal aus der Platzierung von Rennen 1.

Ich stand in Reihe 4, kam beim Start wieder gut weg und lieferte mir wie bereits im Rennen 1 ein wahres Gefecht mit Marlon. Einmal ich vorne, dann wieder er. Es ging Schlag auf Schlag. Ich pumpte bereits wie ein Maikäfer und sehnte mir das Ende des Rennes herbei. Der Dicke muss wohl noch ein wenig an der Kondition und am Hüftgold arbeiten.

Meine Linienwahl wurde immer schlechter und ich traf kaum noch eine Kurve richtig. Die Konsequenz war klar. Marlon hatte das natürlich mitbekommen und am Ende der Start/Ziel ging er an mir vorbei.

Doch Aufgeben gab es nicht. Dran bleiben, war die Devise. Hinter Marlon lief es auf einmal wieder viel besser. Ich fand in meinen Rhythmus zurück und war plötzlich wieder im Spiel. Jetzt auf die passende Gelegenheit warten und dann zuschlagen. Eingangs der Rechts auf die Gegengerade steckte ich bereits ganz tief an seinem Heck und konnte am Ausgang der Kurve aus dem Windschatten vorbei gehen.

Jetzt hing der Youngster mir wieder im Nacken. Das Wasser tropfte permanent von den Haaren in den Helm und das Blut kochte in den Adern.

Der feuchte Atem brachte das Visier zum beschlagen, doch das Interessierte nun überhaupt nicht.

Platz halten, das war wichtig. Mit Marlon im Nacken ging es in die letzte Runde in der auf einmal Robert # 412 vor uns auftauchte. Verspürte er etwa auch das Maikäfer pumpen? Der Abstand wurde immer kleiner und obendrein lief er vor der Schikane auf Stefan # 423 auf, die es ihm unmöglich machte ihn zu überholen. Wir beiden kamen einen Augenblick später und konnten den ganzen Schwung mit heraus auf die Gerade nehmen, an deren Ende ich es tatsächlich schaffte Robert auf der Bremse zu stellen.

Es waren nur noch 4 Kurven bis zum Ziel. Da sollte der Drops doch wohl gelutscht sein, doch weit gefehlt. Durchs Shell alles Bingo, hin zur schnellen rechts auch noch alles ok. Eingangs der rechts sah ich unser Wölfchen # 429 direkt voraus. Ich wollte in der letzten Kurve innen rein stechen, doch Wolfgang, der mich nicht sah, klappte die Tür zu. Innen gefangen. Wo war Robert, er nahm den langen Weg außen herum. Ausgangs der Kurve ging es Rad an Rad auf die Ziellinie zu. Ich machte mich so klein wie möglich und zog am Gas als gäbe es kein Morgen.

Geschafft, drüber über die Linie. Ein kleiner Blick nach links und da war auch schon die gelbe Gefahr im Augenwinkel.

Es hatte hauchdünn gereicht. Robert streckte anerkennend den Daumen nach oben und wir klatschten ab. Was für ein Rennen.

Platz 12.

 

Text und Bilder by www.kawa-saki.de

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