Assen "The Cathedral of Speed"

Assen „The Cathedral of Speed“

Der letzte Lauf des MTR Cups am 28.09.2012 und auch die damit verbundene Ehrung des Meisters standen auf dem Plan.

Um diesem Saisonfinale einen würdigen Rahmen zu geben, machte sich der MTR Wanderzirkus erstmalig ins Ausland auf und zwar ins Land ohne Berge, dafür mit grünen Wiesen, Kühen und viel Käse. 

Richtig – es ging nach Holland, genauer gesagt nach Assen.

Aber der Reihe nach.

Freitagnachmittag war wie immer Sachen packen angesagt. Dies ging diesmal ruck zuck. Ich ging im letzten Rennen nicht an den Start, hatte ich doch kein Einsatzgerät mehr und keine B-Lizenz, die man für das Ausland braucht.

So traten Yussi und ich die Reise ins Land der Wohnwagen und lustigen Sprache völlig entspannt an.

Da ich in Assen nicht den ganzen Tag nur nutzlos rumsitzen wollte, beschloss ich Azubi bei Yussi zu werden um hinter das Geheimnis der Sportfotografie zu kommen.

Der Dokki, als Fotograf neben der Strecke, statt mit Moped oben drauf. Quasi nebendran statt mittendrin.

Es war schon dunkel als wir ins Paddock abbogen und auf die kleine MTR Gemeinde trafen.

Nanu wie sehen die denn alle aus, war unser erste Gedanke. Skijacken, Mützen und die Kragen ganz hoch, so standen sie vor uns. Es war doch September und nicht Dezember?

Als wir aus dem Auto stiegen wussten wir warum. Gefühlte einstellige Temperaturen und ein heftiger Wind, der uns scharf in Gesicht blies.

Also kein langes Palawer, die dicken Sachen raus und schnell den Wohnwagen positioniert.

Kurze Zeit später war das Fahrerlager menschleer, alle waren in ihre Kojen gekrochen und wollten fit für den morgigen Tag sein.

Yussi und ich blicken uns an, schüttelten mit dem Kopf, bewaffneten uns mit Bier und Taschenlampe und zogen los die Strecke nach den besten Plätzen zum Fotografieren zu erkunden. Doch alles war verriegelt und verrammelt. Alle Tore zu und ein 2 Meter hoher Zaun mit Stacheldraht außen herum.

Doch an einer Ecke klafft im Zaun ein kleines Loch, nicht groß aber es sollte reichen. Grinsend hob Yussi den Zaun an, ich lege mich auf den Rücken und robbte durch. Überall um uns rum die hellen Scheinwerfer, ich dachte ich überquere die grüne Grenze von der ehemaligen DDR nach Ungarn. Weit gefehlt, wir waren im Infield der Rennstrecke von Assen und das war auch bei weitem besser als in der Prärie Ungarns zu landen. Wir knipsten die Lampen an, öffneten das 5.0 und stiefelten los. Auf halber Strecke fing es dermaßen an zu schütten, das wir froh waren, nach einer gefühlten Ewigkeit, pitschenass, wieder am Wohnwagen angekommen zu sein.

Geweckt wurden wir am nächsten Morgen durch reichlich Gewerkel der Twin-Gemeinde.

Ich riskierte einen kleinen Blick aus dem Fenster. Wind, Regen, Sonne, typisches Aprilwetter im September und alle wieder dick vermummt. Also, Decke bis über beide Ohren gezogen und noch ein wenig an der Matratze gehorcht. Cool wenn man mal keinen Stress hat.

Irgendwann waren wir dann auch auf und begaben uns nach dem Frühstück auf den Weg zum Media Center um uns als Fotografen anzumelden und uns die Fotowesten zu holen. Alle waren super freundlich und nach geraumer Zeit waren wir Ready to race. Äh … Blödsinn! Ready to shoot. Aber halt einmal. Ich als Fotomännchen, aber ohne Kamera? Das würde ja nicht funktionieren. Mal eben den Dackel Blick aufgesetzt und gefragt: „ Du Tina, könnte ich für heute mal deine Kamera haben“? Tina sagte natürlich sofort ja, kein Wunder bei dem Blick!

So zogen wir beide los um die Minitwins zu fotografieren, während diese sich immer noch Gedanken über Ihre Reifenwahl machten.

Die Strecke war mittlerweile trocken und wir waren heiß auf die ersten Bilder. Es war zwar nicht gerade warm, aber dafür eben trocken und die Sonne zeigte sich auch immer wieder.

Der Turn der 1000er Klasse war zu Ende und nun waren die Minitwins dran. Ich hörte die Motoren schon dröhnen als just in diesem Moment Petrus seine Tore öffnete und die Strecke mit dem glitschigen nass Namens Regen versah. Na das mag ja was werden, dachte ich, waren doch bestimmt alle mit Race Attack unterwegs.

Genau so war es. Die Meute rollte wie auf rohen Eiern an und fuhr ganz behutsam durch die Kurven. Keiner wollte stürzen, war es doch das Qualifying und es ging um die Startaufstellung fürs Rennen.

Mir fiel auf das Icke Enz #576 der Fuchs, ziemlich fix unterwegs war. Hatte er gepokert und nur auf Regen spekuliert, oder hat er heimlich eine Direktverbindung zu Jörg Kachelmännchen, der nur ihm ganz exklusiv das Wetter voraus sagt? Es wird wohl sein Geheimnis bleiben. Ferner bemerkte ich das Christian #525 und Marco #577 nicht auf der Strecke zu finden waren. Die beiden wechselten bestimmt noch schnell auf Regenpellen und wollen dann den golden Schuss mit einer Super-Runde setzen.

Ich nahm die Kamera hoch und fing an zu knipsen. War ich doch aus diesem Grund hier und nicht zum Gucken wie die anderen fahren. Ehrlich gesagt viel es mir sehr schwer, nicht zu gucken. Auf einmal ein lautes Motoren Geräusch – es hörte sich viel schneller an als die anderen Geräusche im Regen.

Ich blickte hoch und die blau-grüne SV von Christan #525 schoss an mir vorbei, so dass ich nur noch eine große Gischt-Wand sah. Wusste ich´s doch. Ich konnte mir das schelmische Grinsen unter seinem Helm genau vorstellen, als er eine schnelle Runde nach der anderen in den Asphalt brannte. Kurze Zeit später flog auch Marco #577 an mir vorbei. Er also auch auf Regenreifen! Die beiden waren schneller als das komplette Feld. Sie würden wohl die ersten beiden Startplätze unter sich ausmachen.

Er lautes Kratzen und Schleifen durchbrach die kurzeiteige Stille als niemand an mir vorbei fuhr. Ich sah von der Ferne wie Herby Höckel #575 sich genau vor Yussi´s Linse ablegte. Funken Flug, ein kreisendes Motorrad und Herby auf dem Bobbes hinterher. Als alles zum Stillstand kam, stand er auf, hob das Moped auf, setzte sich drauf und fuhr wieder los. Er winkte noch den Streckenposten und ich dachte er verabschiedet sich freundlich von ihnen. Doch weit gefehlt. 10 Minuten später kam auch der Herby auf seinem weiß-grünen 2-Zylinder mit solch einen Affenspeed um den Parcours galoppiert, das ich meinen Augen nicht traute. Er war nach seinem Sturz in die Box gefahren und das BC-Race Team hatte ihm nicht nur in Rekordzeit Regenreifen montiert sondern auch noch die Bremse instand gesetzt, die sich beim Sturz verabschiedet hatte. Hut ab vor der Leistung und den Daumen ganz nach oben, für das Team und Super-Herby.

Nach so viel Action waren wir froh über die bevorstehende Mittagspause. Also rauf aufs Rad, zurück in Fahrerlager und zum Futtern mit den anderen Twins ab ins Bavaria Bistro.

Um 17.15 war es dann endlich soweit. Der große Showdown stand an und die Favoriten fanden sich auf Grund der Wetterkapriolen vom Vormittag ziemlich weit hinten in der Startaufstellung wieder.

In Reihe 1 stand Christian #525, Marlon #506(Rookie), Marco #577 und Andre #557 (Rookie). Gorden #567 fand sich auf Startplatz 6 wieder und Uzi #548 sogar nur auf Platz 11. Es war nun aber trocken, die Sonnen lachte und jeder wusste es würde eine verdammt heiße Kiste werden.

Yussi und ich warteten mit schussbereiter Kamera im Infield auf die heranstürmenden Kämpfer, die loszogen um den Meister 2012 zu finden und um die letzten Punkte für einen guten Tabellenplatz in der Gesamtwertung zu erringen.

Die Motoren heulten auf und los ging die Hatz um die Plätze. Bereits nach den ersten Kurven hatte sich die Reihenfolge der Startaufstellung komplett verschoben.

Die Rookies konnten ihren guten Startplatz leider nicht halten und büßten Plätze ein. Christian und Marco vorne weg, dicht gefolgt von Gorden und Uzi, die bereits richtig Boden gut gemacht haben. Wieder vergaß ich vor lauter Gucken das Fotografieren. Ich wusste nicht was ich zuerst machen sollte. Rennen gucken? Fotografieren? Ein Teufelskreis.

Uzi machte mächtig Druck auf Gorden, musste er doch gewinnen um seine Chance auf den Titel zu wahren. Doch dafür durfte Gorden auch nur Fünfter werden.

Auch Marco schob Christian von hinten mächtig an und machte so viel Druck, dass er an ihm vorbei zog. Doch wer den Chris kennt, weiß das er sich das nicht so einfach gefallen lässt. Messer zwischen die Zähne und die Antennen auf Angriff gestellt. So jagten sich die beiden Rund um Runde um die Strecke bis es dem Chris schließlich gelang Marco auf der Bremse zu überholen.

Auch Uzi erhöhte nochmals den Druck auf Gorden. Dieser konnte Uzi nicht halten und musste ihn passieren lassen. Wie schon bemerkt, reichte Gorden auch ein fünfter Platz um den Meistertitel zu gewinnen.

Es gab wunderschöne Zweikämpfe zwischen Holger #596 und Duffy #587. Auch Uwe #593 und Enz #576 lieferten nicht nur sich, sondern auch uns packende Szenen.

Eine herrliche Symbiose sah man auch zwischen Wolfgang #512 und dem Franken-Stefan #523. Die beiden drehten nicht nur im Rennen gemeinsam ihre Runden sondern waren auch im Fahrerlager stets zusammen zu finden. Hier hat sich eine neue Männerfreundschaft gebildet. Da sehen wir es mal wieder – Racing verbindet!

In den letzten Runden waren die Positionen gefestigt. Gorden war die Meisterschaft nicht mehr zu nehmen. Uzi gewann vor Gorden und wurde zweiter in der Meisterschaft. Christian errang Platz drei vor Marco. Duffy wurde Fünfter gefolgt von Holger auf Platz 6.

Es folgte die Siegerehrung, die für alle Beteiligten ein Mega-Highlight war. Diese fand auf dem gleichen Siegerpodest statt, wo auch die ganzen GP Größen wie Lorenzo, Stoner und Co. schon ihre Trophäen empfingen und die unten wartenden Fans mit Champus duschten.

Nun standen also Minitwin-Helden dort ganz oben in freudiger Erwartung ihre Pokale von zwei langbeinigen Schönheiten im Empfang zu nehmen. Nach der Übergabe waren die beiden Damen auch ruck zuck verschwunden, schienen sie doch zu wissen was nun folgte!

In Manier richtiger Champions knallten die Korken und Sekt spritzte in allen Richtungen. Jeder gegen jeden, alle auf einen, oder das Duell das uns schon von den zahlreichen Rennen bekannt war.

Uzi vs. Gorden!

Hier gab es jedoch keine klaren Sieger, sahen beide nach ihrer Champus-Schlacht aus als kämen sie direkt wie gewaschene Hunde aus der Dusche. Es war herrlich von unten aus anzusehen wie eine Traube aus erwachsenen Männern zu Kinder wurden. Mit leuchtenden Augen und verschmitzten Blicken!

Frisch geduscht und aufpoliert trafen sich uns alle um 19.00 Uhr zur großen Open-Air Abschlussfeier in der Mitte der MTR-Zeltstadt.

Holgers Anlage pumpte rockige Beats in den holländischen Abendhimmel und auf einem selbstgebauten Schweinegrill drehte sich bereits seit morgens 11 Uhr eine ca. 44 Kilo schwere Sau. Christian Kemper #514 hatte diese eigens für seinen Titel, nämlich Meister bei der Rookiewertung, gespendet und auch gleich ein ganzes Team mitgebracht, die das Catering samt Schwein, Salaten und frisches Baguette eigens für die MTR-ler und deren Angehörige übernahm. Christian!!! Das war eine absolut geniale Geschichte und schreit nach Wiederholung. Ein riesen großes Dankeschön an dich und alle die daran beteiligt waren. Ihr seid Hammer.

Nach dem Essen stand die interne MTR-Jahreswertung alle Teilnehmer auf dem Plan. Christian, Ingo und Holger vollzogen die Ehrung und letzterer glänzte mit irrem Wortwitz. Holger zog zu jedem Geehrten einen passenden Spruch aus dem Ärmel und bekam dafür frenetischen Beifall.

Den mit absolut Abstand größten Pott bekam der MTR-Champion Gorden Hensel übereicht. Einen riesen Wanderpokal, der nicht nur ihn, sondern auch seinen Mechaniker und Vater Hermann sichtlich stolz machte.

Im Anschluss gab es noch die bekannte Tombola, die bereits schon im letzten Jahr riesen Begeisterung unter allen Fahren auslöste, waren doch im letzten Jahr Fahrertrainings, Bekleidungsgutscheine, Motorradzubehör usw. unter den Preisen gewesen.

Holger machte Musik und erfüllte auch die ungewöhnlichsten Musikwünsche. Er spielte sogar Andrea Berg, obwohl es im sichtlich schwer viel. Leute tanzten, hüpften und feierten mit einheimischen Grolsch den Abschluss einer grandiosen Saison 2012.

Unser Champion, der mittlerweile erschöpft aber glücklich kuschelnd mit dem Pokal im Bett schlief, wurde Stunden später von den MTR-lern musikalisch aufgefordert, sich noch einmal mit dem Pott zu zeigen. Lauthals wurde gesungen: „Wir wollen den Meister sehen, wir wollen den Meister sehen, wir wolln, wir wolln, wir wolln den Meister sehen“.
Als dieser nicht wach wurde, weckte ihn ein Mädel-Einsatzkommando persönlich und holte ihn zu sich in die Mitte. Man füllte seinen Wanderpokal bis Oberkante mit Bier und feierte in die frühen Morgenstunden heiter weiter.

Freundschaft, Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft, Lachen, Leiden!
Das alles hat 3 Buchstaben. M T R !

Danke an alle Teilnehmer und Mitwirkende für die für uns fantastische Saison 2012. Wir freuen uns auf die kommende Saison 2013, um mit euch wieder an den Start zu gehen. Nicht nur um auf´s Neue zu fighten und zu shooten, sondern auch um gemeinsam eine tolle Zeit zu verbringen!

Quelle:
www.kawa-saki.de

3 thoughts on “Assen "The Cathedral of Speed"”

  1. Servus Kai, wie immer geiler Bericht und als Fotograf bist du ja auch Top. Ich bin nächstes Jahr auch wieder dabei……

    Bis dann Mathais #599

  2. Hallo zusammen,

    vielen Dank an alle, aber besonders an das Orga Team, es war meine erste saison im Motorradsport.
    Es war eine schöne Saison und als Rookie ist man hier wirklich sehr gut aufgenommen worden. Viele blöde fragen durfte ich loswerden und keiner hats mit übel genommen.
    Und deswegen wird es wohl auch nicht meine letzte Saison gewesen sein.
    Warum kann denn morgen nicht schon der Frühling anfangen……….
    gruß
    Björn #578

  3. Tolle Berichte, super Fotos, spannende Rennen, mitreißendes Finish, grandiose Saison, super nette MTRler, leckere Sau ;-)…
    Wir freuen uns auf die kommende Saison!
    Da sind wir dabei und das ist priiiimaaa…

    Liebe Grüße,
    Holger, Bibi, Jojo

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