Fischereihafenrennen – 80% Aufregung, 20% Angst! Oder doch andersrum?

Fischereihafenrennen – 80% Aufregung, 20% Angst! Oder doch andersrum?

von Christian #514

Seit der Nennung für das Fischereihafenrennen, mein zweites Rennen überhaupt, freute ich mich schon auf dieses Event. Ich wollte schon immer einmal ein Straßenrennen sehen und jetzt hatte ich die Gelegenheit sogar selber mitzufahren.
Donnerstagabend vor dem Pfingstwochenende wurden Auto und Hänger gepackt und startklar in der Hofeinfahrt geparkt. Am nächsten Morgen, bei schönstem Wetter, ging es dann mit meinen beiden Helferinnen in Richtung Bremerhaven. Gegen 14:00 Uhr im „Fahrerlager“ 1 angekommen, erkundigte ich mich bei Christian Otto ob schon irgendwer von der MTR Truppe Vorort ist. Wir schienen die Ersten zu sein, also hieß es Plätze reservieren und sich breitmachen.
Wir fuhren eine Zeit ziellos umher, da im ersten Fahrerlager der Platz schon ziemlich begrenzt war. Ein anderer Fahrer hatte schließlich Mitleid und erklärte uns den Weg ins dritte Fahrerlager wie folgt: „Fahrt die Strecke einfach weiter runter, bis ihr an einen großen geteerten Platz mit Blick aufs Wasser habt.“ Ich antwortete: „Alles klar, wo ist die Rennstrecke?“ Er (grinsend): „Ihr steht drauf!“
AH…HA dachte ich mir: Ziemlich viele Laternenmasten und Bürgersteigkanten. Naja, ich versuchte unbeeindruckt zu wirken und bedankte mich und fuhr los. Ich kann mich nicht daran erinnern wann ich das letzte Mal so aufmerksam Auto gefahren bin: Laternenmast, Laternenmast, Stromkiste, Laternenmast, Verkehrsschild, Bauschuttcontainer, Laternenm….. ach lassen wir das. Plätze sind frei zu halten!
Das dritte Fahrerlager war quasi leer. Super dachte ich mir, das wird ein Kinderspiel. Auto, Hänger, Pavillon und Motorrad wurden taktisch so platziert, um möglichst viel frei zu halten. Der Ansatz war geschafft, bis Tingeltangel – BOB (Platzwart) auf seiner HONDA Monkey alles zunichte machte. Nach mehreren Diskussionen mussten wir alle Klamotten wieder in Reih und Glied stellen.
Kurz darauf kamen Heinz und Ingo, die der ganzen Sache etwas gelassener entgegen sahen. Sofort wurden mit Flatterband mehrere „Hektar“ abgesteckt, wo Mr. Hayabusa locker seinen ganzen Fuhrpark hätte drin unterbringen können.
Also wieder etwas dazugelernt. Nach und nach füllten sich die Plätze und so gegen Samstagnachmittag war dann auch die MTR Truppe fast vollzählig.
Am späten Abend bin ich die fast fertig präparierte Strecke einmal abgelaufen um mir einen Eindruck zu verschaffen. Mehrere Traktoren haben recht große Strohballen und Stahlgitter positioniert, um gefährliche Passagen zu entschärfen und die Zuschauer von der Strecke fern zu halten. Die Kanal und Gullydeckel wurden mit Bitumen matten, auf deren Oberseite Rollsplitt eingearbeitet war überklebt. Die Bürgersteigkanten wurden mit feinem Teer zu einer Art Curb abgeflacht. Schnelle Streckenabschnitte wurden durch künstliche Schikanen in Form von gelben Balken auf dem Boden verengt. Kurven in denen es an statt einer Auslaufzone, eine Betonwand gab, wurden mit Strohballen verkleidet und dienten als Prallschutz.
So langsam kamen mir Zweifel, ob die Idee wirklich so gut war hier zu starten. Sonntagmorgens dann blankes Entsetzen, REGEN! Was soll ich machen dachte ich mir, wie kann das sein, es sollte doch beständig bleiben, Pilot Power montieren? Überhaupt starten?
Aber wie so oft habe ich mich nur selbst verrückt gemacht, es war nur ein kurzer Schauer und kurz drauf erschien die Sonne auch wieder. Gegen 8:45 Uhr durften wir endlich auf die Strecke. Mach erst mal langsam dachte ich mir und schau dir die Strecke an. Jeder Kanal und Gullydeckel wurden genauestens angepeilt und sauber mit ausreichendem Abstand umfahren. Mit Rennen fahren hatte das nichts zu tun! Nach und nach ging es aber dann doch immer besser.
Das erste Zeittraining stand an. Ich konnte es kaum erwarten wieder zu fahren. Auf zum Vorstart, einen kurzen Moment warten bis die vorherige Gruppe die Strecke verlassen hat und GAS! Ich hab mich von Anfang an wohl gefühlt und konnte das Tempo stetig steigern. Im Zweiten Zeittraining lief es leider nicht mehr so gut. Ich steckte immer wieder im Verkehr fest. Nicht eine vernünftige Runde brachte ich zustande. Aber da das erste Training ja gut gelaufen ist, dachte ich mir ich muss bestimmt nicht als letzter starten.
Nach all der Anstrengung stand erst mal Duschen auf dem Plan. Der Weg zu den Duschkabinen war „etwas länger“! Genügend Zeit, um darüber nachzudenken was man im morgigen Rennen besser machen könnte. Wieder im Fahrerlager angekommen, standen meine Freundin und meine Schwester mit enttäuschten Gesichtern vor mir und berichteten, dass ich mich nicht für die Rennen Qualifiziert hätte. Ja wie? „Glaub ich nicht.“ antwortete ich. Tatsächlich ich war der erste, der es nicht geschafft hatte sich zu Qualifizieren.
Ich war so was von abgef… und enttäuscht von mir selber, dass ich an nichts mehr Lust hatte. Am liebsten hätte ich eingepackt und wäre gefahren. Das war aber nicht von langer Dauer. Die anderen MTR’ler kamen vorbei und jeder hatte ein paar aufbauende Worte parat. Echt tolle Mannschaft!
Der Plan für den darauffolgenden Tag sollte sein: Ausgiebig Frühstücken, das Rennen der Klasse 9 anschauen und die MTR Truppe anfeuern, langsam einzupacken und nach Hause fahren. Aber es sollte ganz anders kommen!
Während dem Frühstück am Renntag kam die Durchsage: „Achtung Fahrerlager, Achtung Fahrerlager der Fahrer der KLASSE 9 …“ usw. Auf jeden Fall ist ein Fahrer ausgefallen und ich konnte nachrücken. Die gute Frau hatte den Satz noch nicht beendet, da waren wir schon dabei das Motorrad rennfertig zu machen.
Gegen 10:00 Uhr startete die Klasse 9 zum 1. Rennen. Es war Wahnsinn, von ganz hinten zu beobachten wie sich 40 Motorräder durch die ersten Kurven quetschten. Langsam fand ich meinen Rhythmus und ich dachte gar nicht mehr über rutschende Reifen, Gullydeckel oder Straßenschilder nach, ich fuhr einfach….
Vor dem zweiten Rennen, das einige Stunden später starten sollte, war ich nicht mehr ganz so fit. Ich wusste nicht, ob ich zu viel Sonne abbekommen hatte oder ob die vielen Stürze und Rennabbrüche in den anderen Klassen mich unsicher gemacht hatten. Auf der Fahrt zum Vorstart war ich recht nervös, was sich nach dem Start aber wieder legte. Es dauerte diesmal länger bis ich wieder drin war. Die Zweikämpfe mit Andre haben super Spaß gemacht. Ich freue mich schon auf nächstes Mal!
Bei der späteren Siegerehrung der MTR Fahrer waren sogar zwei Pokale für mich drin. Wer hätte das gedacht?
Am Ende war ich froh, dass doch noch alles gepasst hat und alle Fahrer halbwegs gut durchgekommen sind. Es war ein verrücktes und aufregendes Wochenende. Und ich will nicht ganz ausschließen doch noch einmal das Fischereihafenrennen zu besuchen.

2 thoughts on “Fischereihafenrennen – 80% Aufregung, 20% Angst! Oder doch andersrum?”

  1. Danke für den schönen Artikel, Christian! Die Eindrücke kommen sehr gut rüber und ich kann mir genau vorstellen, wie aufregend das gewesen sein muss…
    Bis OSL..
    Gruß Daniela

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