Reifenpoker 2.0 oder „All In!“

An diesem Wochenende stand  zum zweiten Mal in diesem Jahr Oschersleben auf unserem Rennkalender. Alle freuten sich auf den Termin, da es ja auf eine bekannte Strecke ging und man sich so das „Übersetzung suchen“ und „Ideallinie finden“ sparen konnte.

Die meisten trudelten schon am Samstag ein und standen auch im Fahrerlager als schönes Trüppchen zusammen. Es begann das gleiche Spiel wie immer: Obwohl man eigentlich genügend Zeit hatte, wurde überall hektisch rumgeschraubt. An der einen Ecke wurden mal wieder Reifen getauscht, in der anderen wurden sämtliche Lenkervarianten ausprobiert und in wieder einer anderen wurde noch schnell das neue Dekor auf´s Mopped gepappt. Papierabnahme und Technik mussten natürlich auch noch erledigt werden, zweiteres stellte  sich aber als Geduldsprobe heraus. Der ein oder andere musste noch den Kupplungszug tauschen oder sich über das ordnungsgemäße Anbringen der Startnummern belehren lassen….

Irgendwann war auch das erledigt und es konnte zum gemütlichen Teil übergegangen werden. Natürlich wurde nicht nur gegrillt. Neiiiiiiiiiiiiiiiiin, Holgoy hatte noch den Plan den größten Topf Gulasch im Fahrerlager zu kochen. OK, es wurde dann in 2 Etappen gegessen. Die Griller früher und die Gulaschfraktion dann halt später. Wenn ich das richtig beobachtet habe, gab es aber auch (wie im Seriensport üblich) Doppelstarter 😉 Irgendwann waren dann aber alle gesättigt und es wurde noch bis in die Nacht gelacht und das ein oder andere stille Wasser oder Apfelschorle getrunken 😉

Sonntag, 07:00 die Sonne lacht.

Herrliches Aufzündwetter begrüßte uns beim ersten Blick aus dem Wohnwagen. Kein Wölkchen am Himmel. So konnte es weitergehen. Überall liefen die Kaffeemaschinen auf Hochtouren und die Toaster brachten das Toast auf den gewünschten Bräunungsgrad. Einzig der kopflose Vater, der auf der Suche nach Kakao für seine Tochter durchs Fahrerlager lief, trübte das Bild ein bisschen.

Die erste Dauerprüfung war für 09:45 angesetzt und pünktlich um kurz nach 09:00 begann überall das rumgewusel. Sich in den Lederkombi zwängen und über den rausspringenden Überlastschutz in der Kabeltrommel ärgern dauert halt seine Zeit. Trotzdem standen alle rechtzeitig am Vorstart und es konnte endlich losgehen. Die Dauerprüfung verlief ohne große Probleme und so kamen die meisten von uns nach 40 Minuten wieder in die Box gerollt. Einzig Ingo, Deutschlands erster Kiesbetthopper, kam natürlich wieder auf Lumpensammler zurück in unser Lager. Das spart zwar Benzin sorgt aber für ordentliches Gegröhle bei den MTR Kumpels.

Ingo´s SV hatte es satt langsam um den Kurs zu fahren und quittierte das Gaswegnehmen mit einem höllischen Lachen und blieb einfach auf Vollgas. Das ist zwar gut für die Rundenzeiten, für das Fahrgefühl wirkt sich dieses doch eher negativ aus… Also Tank und Airbox runter und nach dem Fehler gesucht. Eine Motorentlüftung die das Gasgestänge einklemmte wurde als Fehler ausgemacht. Alles gut!

Lange Zeit zum Ausruhen blieb nicht, denn um 11:15 stand schon die zweite Dauerprüfung auf dem Programm. Alle fuhren wieder raus um entweder noch schnell die restlichen Runden abzuspulen oder doch noch an der Ideallinie zu feilen. Einzig Ingo´s SV hatte da wieder andere Pläne. Anscheinend ging es ihr wieder zu langsam und sie schaltete wieder auf das Programm „GGGGGGGGGGAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAS“ . Dieses geschah natürlich in einer Kurve was Ingo dazu bewegte dieses Höllengerät zu verlassen um sich stattdessen lieber mit einem Streckenposten zu unterhalten. Damit war für ihn der Tag gelaufen, da sich nicht auf eine dritte Runde „Ingo vs. Hellbike“ einlassen wollte.

Jetzt mussten irgendwie 3 Stunden bis zum Rennen überbrückt werden. Holgoy und Anhang kochten wieder irgendeinen Riesentopf Essen und der Kai reparierte mal wieder den Endtopf der Kawasaki. Dieser bekam durch den DB-Eater zu viel Staudruck und platzte dann einfach. Dieses erkannten die anderen Mitfahrer immer daran das auf einmal lauter Dämmwolle über die Strecke wehte…

Sonntag, 14:45 die Sonne lacht nicht mehr so richtig…

„Was soll das denn jetzt? Wo ist die Sonne?“ Immer mehr Wolken ziehen auf und der ein oder andere berichtet schon über eingefangene Tropfen. Spitze…

Rennreifen? Regenreifen? Straßenreifen? Regenreifen? Rennreifen?

Sonntag, 15:00 die Fahrer schwitzen

Nein, nicht vor Aufregung. Jeder der einen zweiten Felgensatz hat ist jetzt am Räder tauschen. Man hat ja auch sonst nix zu tun. Es war zu trocken für Regenreifen, also musste man sich jetzt nur noch für Trocken.- oder Straßenreifen entscheiden. Am Ende stand es dann ungefähr 50/50 im Fahrerfeld.

Sonntag, 15:30 und es tröpfelt wieder

Wir rollen in die Startaufstellung und noch ist kein Sieger im Reifenpoker auszumachen. Nachdem die Ampel ausgeht rasen wieder alle auf die erste Kurve zu bremsen aber doch ein bisschen verhaltener wie sonst. Es geht geordnet durch die Hasseröder und auf die Triple zu als der Regen wieder stärker wird. Bertram muss als erster durchs Gras, kommt aber schnell wieder auf die Strecke. Das Grinsen der Straßenreifenfahrer unterm Helm wird immer breiter und auf der anderen Seite wird das Gerutsche bei den Trockenreifenfahrern immer größer.

Bis zur Runde 4 regnet es jetzt leicht und die Strecke wird immer rutschiger. Einige der Trockenreifenfahrer steigen aus und fahren zurück in die Box. Jetzt schlug die Stunde der Punktesammler: „ALL IN“

Bloß nicht aufgeben und in die Box fahren, denn das Rennen ist noch lang. In der Triple wurde mit  gelben Flaggen  gewunken, weil sich ein RS250er Fahrer dort ausgebreitet hatte. Vorsichtig Rutschig!

Ab der 5 Runde wendete sich das Blatt, der Regen hörte auf und die Strecke trocknete ab. Im Mittelfeld gab es jetzt die meisten Zweikämpfe. Kai, Gorden und Heinz kämpften um jeden Meter Strecke.

Bei mittlerweile trockener Strecke schnappte sich Holgoy in der letzten Runde noch den sichergeglaubten zweiten Platz von Christian. Der Fahrlehrer kann einfach am Schnellsten den Hebel von NASS auf TROCKEN umlegen. Da kann man ruhig mal den Hut vor ziehen. Dann wurde endlich abgewunken und den meisten fiel wohl ein Stein vom Herzen. Im Parc Ferme beglückwünschten sich die Durchfahrer und sofort war alles Rumgerutsche vergessen.

Ein Extra Kapitel gibt es jetzt mal für die beiden Gaststarter:

Wir hatten diesmal 2 total unterschiedliche Charaktere am Start. Auf der einen Seite war da der Klaus. Ruhig und besonnen bestritt er die Dauerprüfung auf der geliehenen SV, kämpfte sich mit Jochen durch das Abenteuer „Reifenmontiergerät“ und beendete das Rennen auf Platz 16 in der Seriensportwertung. Dummerweise fuhr er auch genauso ruhig nach Hause, ohne vorher zu sagen wo er denn wohl den Autoschlüssel vom Uwe versteckt hat. Glücklicherweise fand dieser den Schlüssel dann doch irgendwann mal wieder.

Dann gab es noch den Andreas „Icke“ Enz aus Berlin. Dieser rückte mit einem IDM mäßigen Team und ebensolchen Vorschusslorbeeren an.  Platz 10 sollte, nein würde es auf alle Fälle werden. Während die Dauerprüfung noch ganz gut für ihn klappte, lief es im Rennen nicht ganz so berauschend.  Nach einem guten Start stürmte er nach vorne um dann dort gegen das oberste Racergebot zu verstoßen: „To finish first, you first have to finish!“ Na ja, der Andreas kannte jetzt wenigstens die Gummiüberladene  DTM bzw. WTC Linie, die im Nassen erst recht glatt ist. Zum Glück ist nix weiter passiert und wir freuen uns schon auf weitere Starts vom ihm.

Alles in allem war es wieder ein sehr schönes Wochenende und alle fiebern nun dem großen Finale am Nürburgring entgegen. Dann aber bitte wieder ein Rennen im Trockenen 🙂 !

Gruß Chris

One thought on “Reifenpoker 2.0 oder „All In!“”

  1. Ein schöner Bericht, Chris!
    Ja, ich liebe das „Gewusel“ im Fahrerlager: Schraubereien, Diskutierereien, gemeinsame Kupplungsinspektionen, Schraubensuchen, Wohnwagenbesichtigungen, Startnummernaufbringung und Wetterkunde für Fortgeschrittene. Eleonora, Johanna, Tina und Beate beleben die Renncrew auf das Beste. Mit Kaffee, Kuchen, Gulasch, Toaster-Jonglagen, und immer einem netten Wort werden die Leute bei Laune gehalten und dass Hobbits einen Doppelstart machen beim Essen, liegt an der pink/gelb Kombination…

    Die Dauerprüfungen liefen bei dem perfekten Wetter wirklich hervorragend. Nur das Eigenleben von Ingos SV gibt mir wirklich zu denken – mit was fütterst Du die denn??? Der Wetterwechsel zum Rennen hätte nicht wirklich sein müssen, aber der Tanz um die Reifenwahl vor dem Rennen gefällt mir immer wieder aufs Neue (Holgoy immer vorne dabei, kritisch beobachtet von Jochen, Uwe und Kai). Einige Wenige lassen sich davon aber nicht anstecken. Rainer, Heinz, Gorden & Co standen ganz entspannt im Getümmel. Wolfgang hat sich sogar noch zu einem kleinen Regentanz überreden lassen (hat ja auch fast geholfen).
    Die Startaufstellung treibt mir immer noch Adrenalin in die Blut-Umlaufbahn, aber von hinten zu starten entspannt das Ganze für mich. Dann kann ich mir die Sache erst einmal in Ruhe ansehen – lauter schöne Hinterteile vor mir (…ich meine die Moped’s)! Der Eiertanz auf nasser Strecke ist eine große Herausforderung, mischt die Truppe bunt durcheinander und dennoch sieht man im Parc Fermé zufriedene Gesichter. Ingo versorgt uns sofort mit Wasser und guter Laune und hilft wo es nötig ist. Über mein Comeback bin ich rundum zufrieden, der Lausitzring hatte doch ein wenig Spuren hinterlassen…
    Eine Menge neuer Leute schwirren um uns herum und werden die Truppe mit Sicherheit im nächsten Jahr noch vielfältiger werden lassen.

    Ich bin sehr glücklich dieses Experiment gewagt zu haben. Dank Stalker-Chris, Holgoy und dem Hobbit-Radler habe ich ein sehr interessantes Jahr gelebt – mit einigen Tiefen, dafür aber noch viel höheren Höhen. Viele Eindrücke habe ich gewonnen, persönliche Hürden überwunden und bin sehr glücklich Euch Alle kennen gelernt zu haben. Jeder Einzelne hat sich auf seine Art eingebracht, Anteil genommen und die Gemeinschaft bereichert. Ich freue mich sehr auf die Abschlussveranstaltung am Nürburgring, um mit Euch die Saison 2011 ausklingen zu lassen.
    DANKE!!

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